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Geschichte 1600 bis 1890 ... |
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Wegen fehlenden historischen Schriften und Zeugnissen gibt es viele Diskussionen und Kontroversen über den Ursprung
von Capoeira. Entstand Capoeira in Brasilien oder wurde sie aus Afrika mitgebracht? Heute gehen die meisten Wissenschaftler
davon aus, dass Capoeira um 1600 in Brasilien von den Bantu-Sklaven aus der Region Angolas entwickelt wurde. Einige
glauben, dass Capoeira in Brasilien entstanden ist - aus einer Verschmelzung von Kämpfen, Tänzen und Ritualen aus
verschiedenen Teilen Afrikas. Andere wiederum sind der Meinung, dass Capoeira aus afrikanischen und indigenen Kulturen um
1630 entstanden ist, als die brasilianischen Ureinwohner bereits ein Ritual kannten, das Musik, Tanz und Kampf vereinigte.
Daraus lässt sich auch die Bedeutung des Wortes Capoeira ableiten. Die Mehrheit der Ethnologen glaubt, dass es von
Tupi-Guarani (Sprache eines Indianer-Stammes) stammt: "Caa" bedeutet Busch und "puera", dass der Busch abgeholzt wurde.
Die Sklaven gingen zur "Capoeira", damit wurde der Ort bezeichnet, an dem sie Capoeira praktizierten. Erst später wurde
auch die Kampftechnik Capoeira genannt.
Es gibt aber auch Stimmen, die sagen, dass Capoeira afrikanisch ist, da es in Afrika ähnliche Tänze wie Capoeira gibt,
beispielsweise den N'Angolo-Tanz (Tanz der Zebras). Diese Aussagen reichen jedoch nicht aus, um die Hypothese vom
afrikanischen Ursprung von Capoeira zu beweisen. Denn in keinem anderen Land, das ebenfalls unter afrikanischem Einfluss
stand, ist etwas Ähnliches wie Capoeira zu finden.
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Diese vielen Widersprüche sind auf die Tatsache zurückzuführen, dass der 1890 amtierende Finanzminister Ruy Barbosa
die Verbrennung von zahlreichen Dokumenten aus der Sklavenzeit anordnen liess, weil er angeblich diese tragische Epoche
der Geschichte Brasiliens aus dem brasilianischen Gedächtnis verbannen wollte. Wo auch immer ihr Ursprung tatsächlich
liegt, Capoeira war immer eine Form des Widerstandes der afrikanischen Sklaven gegen ein System der Unterdrückung und
Unterwerfung; sie war für die Schwarzen ein Mittel zur Befreiung; sie ebnete einer von den weissen Kolonisatoren
unterworfenen und misshandelten Rasse den Weg in die Freiheit.
In den "Senzalas" (Unterkünfte der Sklaven) wurde Capoeira während den arbeitsfreien Stunden praktiziert. Damit die
Gutsbesitzer nicht merkten, dass Capoeira eine Kampftechnik war, wurden die Schläge durch die Ginga (Grundschritt)
abgewechselt und von Musik begleitet. Auf der Flucht zu den Quilombos (Zusammenkünfte von Sklaven, die fliehen konnten
und sich in sogenannten Quilombos zusammenschlossen) konnten die Sklaven diese Technik bei den Kämpfen gegen die Wächter
ihrer Herren sehr gut gebrauchen. Die Schwarzen versteckten sich im Gras, um die Wächter im richtigen Moment anzugreifen.
Auch im Kampf gegen die Zerstörung der Quilombos war Capoeira für die Schwarzen sehr wichtig.
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